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Die Ziele der Bewegungsbildung des Sächsischen Curriculums für Bewegung, Spiel und Sport


Antje Finke, Anja Schindhelm, Sabine Zubrägel (2012)


Das Sächsische Curriculum für Bewegung, Spiel und Sport bildet die wissenschaftliche Struktur des Online-Lernportals „Junge Sachsen in Bewegung“. Dieses Entwicklungsvorhaben wird von 2009 bis 2012 im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz durch die LSJ Sachsen realisiert. Anliegen ist die Bereitstellung eines Lernportals für Bewegung, Spiel und Sport, nutzbar für alle, die an der gesundheitsförderlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen interessiert und beteiligt sind. Es wird voraussichtlich im August 2012 freigeschaltet.
Das Lernportal soll den verschiedenen Akteuren wie Eltern, Bildungseinrichtungen und Vereinen die Orientierung an bildungsphasen- bzw. altersgruppenspezifischen Kompetenzen in Lern- und Erfahrungsfeldern ermöglichen - als Voraussetzung für die umfassende Förderung individueller Handlungskompetenz in und durch Bewegung, Spiel und Sport durch.

Zur Subsumierung der Bildungs- und Erziehungsprozesse, die der Förderung individueller Handlungskompetenz in und durch Bewegung, Spiel und Sport dienen, wird der Begriff Bewegungsbildung favorisiert. Zum einen wird damit einem Bildungsverständnis mit internationaler Perspektive Rechnung getragen; im englischen Sprachraum sind dem Terminus education Bildung und Erziehung in Einheit implizit. Zum anderen sollten sich die Bildungs- und Erziehungsprozesse in erster Linie auf die Stärkung von Kompetenzen und Ressourcen des Kindes richten. Der Begriff Erziehung erscheint damit verzichtbar, denn er „hebt stärker auf die Perspektive der (äußeren, ergebnisorientierten) Gestaltung der Bildungsprozesse ab und betont insofern stärker die Perspektive der Erwachsenen.“ (Thüringer Bildungsplan 2008, 15). Der Begriff Bewegungsbildung öffnet den Raum, auf curricularer Grundlage verschiedene pädagogische Ansätze, Konzepte und Inhalte zusammen zu führen, einschließlich derer im Bereich Bewegungserziehung. Bewegungsbildung wird damit als Oberbegriff für alle Bildungs- und Erziehungsprozesse postuliert, die der Förderung individueller Handlungskompetenz in und durch Bewegung, Spiel und Sport dienen.

Die Ziele der Bewegungsbildung sind der wissenschaftliche Kern des Sächsischen Curriculums für Bewegung, Spiel und Sport. Sie beschreiben den Soll-Zustand der Handlungskompetenz in und durch Bewegung, Spiel und Sport eines 18-jährigen jungen Erwachsenen. Sie verdeutlichen die Bildungspotenziale von Bewegung, Spiel und Sport und eröffnen pädagogische Perspektiven über die Förderung der motorischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hinaus. (vgl. KURZ 1998) Die Ziele der Bewegungsbildung berücksichtigen Aspekte des Sports wie Bewegungsfreude, Wagnis, Risiko, Sozialerfahrung, Spannung, Ausdruck, Ästhetik, Wohlbefinden, Gesundheit, Körpererfahrung und Emotionalität. Die untergeordneten Kompetenzen stellen Lernziele zur Erreichung des Zieles der Bewegungsbildung dar. Lernziele werden dabei als Tätigkeit oder Verhaltensweise verstanden, die der Lernende nach Erreichen des Zieles zeigen kann (vgl. Bielefelder Netzwerk für die sportpädagogische Praxis, 2004).


Der junge Erwachsene ...

       > verfügt über ein positives Selbstkonzept in und durch Bewegung, Spiel und Sport,
       > weist ein gesundheitsförderndes Bewegungsverhalten auf,
       > hat das Bedürfnis nach lebenslanger Bewegungsaktivität entwickelt und gestaltet seine Bewegungsbiographie selbstbestimmt,
       > handelt sozial verantwortlich in und durch Bewegung, Spiel und Sport
       > und verfügt über ein vielfältiges Bewegungsrepertoire.


Der junge Erwachsene ... verfügt über ein positives Selbstkonzept in und durch Bewegung, Spiel und Sport, weist ein gesundheitsförderndes Bewegungsverhalten auf, hat das Bedürfnis nach lebenslanger Bewegungsaktivität entwickelt und gestaltet seine Bewegungsbiographie selbstbestimmt, handelt sozial verantwortlich in und durch Bewegung, Spiel und Sport und ist körperlich leistungsfähig und verfügt über ein vielfältiges Bewegungsrepertoire.


Ziel der Bewegungsbildung 1: Der junge Erwachsene verfügt über ein positives Selbstkonzept in und durch Bewegung, Spiel und Sport.

Kompetenzen als Lernziele: Kinder und Jugendliche sind in der Lage und bereit, sich mit ihrer Selbstwahrnehmung und ihrem Selbstwertgefühl in Bezug zu Bewegung, Spiel und Sport auseinanderzusetzen.

Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche ...
  - den eigenen Körper und seine Signale wahrnehmen, verstehen und akzeptieren können.
  - Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Normen und Tendenzen erkennen, verstehen und reflektieren können.
  - vielfältige Körper- und Bewegungserfahrungen sammeln und erweitern können.
  - eigene Bewegungsideen und Darstellungsformen selbsttätig erproben können.
  - sich ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst werden können.
  - Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben können.
  - persönliche Erfolge als Resultate eigener Anstrengung erleben können.
  - Lust am Entdecken neuer Bewegungsmöglichkeiten haben können.
  - Bewegungsfreude haben können.


Ziel der Bewegungsbildung 2: Der junge Erwachsene weist ein gesundheitsförderndes Bewegungsverhalten auf.

Kompetenzen als Lernziele: Kinder und Jugendliche sind in der Lage und bereit, sich mit Bewegung, Spiel und Sport im Kontext von Gesundheit auseinanderzusetzen.

Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche ...
  - Zusammenhänge von Bewegung mit Gesundheit und Fitness kennen können.
  - körperliche Anstrengung und Regeneration als bedeutsam für die eigene Gesundheit erfahren können.
  - Fehlverhalten im Zusammenhang von Bewegung und Ernährung vermeiden können.
  - positive Erlebnisse und Wohlbefinden im Zusammenhang mit Bewegung, Spiel und Sport entdecken und verinnerlichen können.
  - gesundheitsförderndes Bewegungshandeln kennen und in eigener Verantwortung umsetzen können.


Ziel der Bewegungsbildung 3: Der junge Erwachsene hat das Bedürfnis nach lebenslanger Bewegungsaktivität entwickelt und gestaltet seine Bewegungsbiographie selbstbestimmt.

Kompetenzen als Lernziele: Kinder und Jugendliche sind in der Lage und bereit, sich mit Einflussfaktoren, Gewohnheiten und Perspektiven ihres Bewegungsverhaltens auseinanderzusetzen.

Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche ...
  - sich regelmäßig, d.h. mehrmals und wiederkehrend, aktiv bewegen können.
  - Vorlieben des eigenen Bewegungshandelns entdecken und in den persönlichen Lebensstil einbeziehen können.
  - soziokulturelle Einflussfaktoren und ihre Bedeutung für das Bewegungshandeln erkennen und reflektieren können.
  - die Alltagsrelevanz von Bewegung, Spiel und Sport kennen und reflektieren können.
  - Partizipationsmöglichkeiten an Bewegung, Spiel und Sport kennen und nutzen können.
  - Verantwortung für das Ausleben ihres Bewegungsbedürfnisses übernehmen können.


Ziel der Bewegungsbildung 4: Der junge Erwachsene handelt sozial verantwortlich in und durch Bewegung, Spiel und Sport.

Kompetenzen als Lernziele: Kinder und Jugendliche sind in der Lage und bereit, sich mit ihrer sozialen Verantwortung im Zusammenhang von Bewegung, Spiel und Sport auseinanderzusetzen.

Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche ...
  - Interessen und Bedürfnisse anderer wahrnehmen können und berücksichtigen können.
  - soziale Vereinbarungen und Regeln kennen, akzeptieren können und anwenden können.
  - die Bedeutung eines fairen Umgangs mit Konkurrenz und Wettbewerb kennen und verinnerlichen können.
  - Konfliktsituationen im Zusammenhang mit Bewegung, Spiel und Sport erkennen und bewältigen können.
  - mit eigenen Emotionen im Zusammenhang mit Bewegung, Spiel und Sport und denen anderer verantwortlich umgehen können.
  - Initiative und Verantwortung für gemeinsame Bewegungsaktivitäten ergreifen können und übernehmen können.
  - einen verantwortungsvollen Umgang mit Wagnis und Risiko kennen und umsetzen können.
  - Freude an Bewegung, Spiel und Sport mit anderen haben können.


Ziel der Bewegungsbildung 5: Der junge Erwachsene ist körperlich leistungsfähig und verfügt über ein vielfältiges Bewegungsrepertoire.

Kompetenzen als Lernziele: Kinder und Jugendliche sind in der Lage und bereit, ihre Bewegungserfahrungen zu erweitern sowie ihre körperliche Leistungsfähigkeit und ihr sportliches Können zu verbessern.

Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche ...
  - grundlegende motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln und erweitern können.
  - leistungsbestimmende Faktoren und Trainingsgesetzmäßigkeiten kennen und nutzen können.
  - ihre individuellen Leistungsvoraussetzungen, insbesondere die motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, einschätzen können.
  - ihre individuellen Leistungen in normativen Bezügen reflektieren und entwickeln können.
  - verschiedene Bewegungstechniken und Sportarten kennen und beherrschen können.
  - Erfolge in Bezug auf Könnens- und Leistungsanforderungen als Ergebnis eigener Anstrengung erleben können.
  - Freude an der eigenen Könnens- und Leistungsentwicklung in und durch Bewegung, Spiel und Sport haben und Leistungszuversicht entwickeln können.


Quellenverzeichnis

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